Sich ein Ziel setzen – wie Sie es noch NICHT kennen – Teil 2

sparen Sie sich ein paar Ziele

Das ist wohl ein Tipp, den Sie so wahrscheinlich noch nicht gehört haben. Was ist damit gemeint?
Nun, ich will es Ihnen gleich mitteilen:
Ich für meinen Teil hatte zwar beruflich wie privat in der Regel kein Problem mit dem Setzen und Erreichen von Zielen, jedoch durfte ich danach manches Mal feststellen, dass sich nicht jedes erreichte Ziel wirklich gelohnt hat. Ich hatte es mir einfach anders vorgestellt. Beispiel gefällig? Da war doch dieses neue Auto (die Marke ist hier nicht weiter wichtig), das ich in der Fernsehwerbung gesehen hatte. Es war richtig schnittig und es musste sich so gut anfühlen diesen Wagen zu besitzen und zu fahren!

Der Männertraum aus der Fernsehwerbung

Wie elegant er doch aussah und Kurven nahm. Der Besitzer dieses Fahrzeugs musste wohl jeden Tag stolz und glücklich sein, wenn er morgens in diesen Schlitten einsteigen und den Zündschlüssel umdrehen würde. Das leise schnurren des Motors, die vielen Sicherheitsaspekte und Extras, der Geruch von frischem Leder, die Aluminium-Zierleisten, und das nagelneue Scheinwerfer-Design, das dem Wagen einen noch nie dagewesenen souveränen Blick verlieh… ein Männertraum. Ich hatte mich sofort in den Wagen verliebt. Er musste einfach auf meine Ziel-Collage. Und er musste mir gehören. Soviel stand fest. Und obwohl ich ihn mir einfach hätte leisten können (Zauberwort: Leasing), wollte ich es mir nicht so einfach machen. Schließlich sollen Ziele ja als Ansporn dienen. Also setzte ich einen Preis für mich fest, was genau müsste ich schaffen, um mir diesen Wagen als Belohnung leisten zu dürfen? Ich setzte mir ein anspruchsvolles Ziel und arbeitete etwas mehr als ein Jahr daran. Etwas härter und fleißiger als sonst. Und noch härter. Und noch fleißiger. Ich nahm in diesen ca. 13 Monaten so manche Entbehrung in Kauf, Hauptsache, ich würde mein Ziel erreichen und das neue Auto würde mir gehören. Ich beschäftigte mich immer und immer wieder mit all den Extras und deren Kombinationsmöglichkeiten. Mein neuer Wagen sollte perfekt sein. Schließlich bestellte ich ihn und wusste, dass er bald mir gehören würde.

Ziel Auto Warnblinker

Womit ich nicht gerechnet hatte…

Dann eines Tages war es schließlich so weit: ich hatte den heiß begehrten Anruf erhalten, mein Wagen war abholbereit! Diesen Tag würde ich nie vergessen. Und tatsächlich habe ich ihn nie vergessen. Allerdings aus einem ganz anderen Grund!
Ich fuhr zum nicht gerade nahe gelegenen Autohaus, ließ mir alle Extras und Details genau zeigen und machte mich sodann auf den Heimweg. Es versprach die bisher schönste nach-Hause-Fahrt meines Lebens werden. Dachte ich.
Aber dann dämmerte mir langsam etwas. Irgendetwas stimmte nicht. Wo war meine Ekstase bzw. mein Glücksgefühl? Wo war das Fahrgefühl, das ich so lange ersehnt hatte? Wo war die Freude, die ich fühlen würde, sollte sie sich nicht jetzt langsam einstellen? Das alles war schlicht und einfach nicht vorhanden. Ich saß in dem neuen Wagen und fuhr nach Hause, so wie ich schon hunderte Male zuvor in anderen Autos nach Hause gefahren war. Eine Art Glücksgefühl überkam mich nicht im Geringsten. Was war falsch gelaufen? Und wofür zum Teufel hatte ich jetzt diesen Wagen gekauft? Ich war enttäuscht darüber, dass ich mich über den Wagen nicht so recht freuen konnte. Überhaupt, der Fahrersitz war gar nicht mal so bequem. Das Motorgeräusch schnurrte überhaupt nicht so wie in der Fernsehwerbung und der Ledergeruch interessierte mich plötzlich auch nicht mehr. Ich wurde mit dem Ding einfach nicht glücklich.

Was ich daraus lernte

Um es etwas abzukürzen: nach etwa anderthalb Jahren verkaufte ich es wieder. Natürlich bedeutete das einen nicht unerheblichen finanziellen Verlust, einen Neuwagen zu kaufen und nach nicht einmal zwei Jahren wieder zu verkaufen. Aber aus diesem Verlust habe ich etwas sehr Wichtiges für mich gelernt: bevor man sich aufmacht, um ein Ziel zu erreichen, sollte man es ausgiebig darauf prüfen, ob es tatsächlich hält, was es verspricht. Tatsächlich bin ich nicht der Einzige, da gibt es viele Beispiele, in denen Menschen große Anstrengungen unternommen haben, aber am Ende mit ihrem erreichten Ziel nicht glücklich wurden. Das muss nicht unbedingt ein Auto sein. Das kann eine Reise sein, für die man besser recherchieren hätte sollen. Das kann der Traum von einem Haus sein, bei dem sich später herausstellt, dass es zum Beispiel viel mehr gekostet hat, man den Nachbarn und seinen Hund nicht leiden kann und man nach der Arbeit keine Lust hat, den Rasen zu mähen und die Dachziegel zu reparieren. Und das kann leider in vielen Fällen auch der eigene Partner sein, dem man das Ja-Wort gab und plötzlich nach dem zweiten Kind versteht man sich nicht mehr. Oder, noch schlimmer, diese Beispiele können auch in Kombination auftreten. Und es gibt tatsächlich gar nicht so wenige Menschen, die heiraten, Haus bauen und Kinder bekommen, und am Ende mit einem halb fertigen Haus und einem riesigen Schuldenberg die Scheidung einreichen. Was glauben Sie, wie mies es solchen Menschen geht. Aus dem Traum wurde ein Alptraum. Gottseidank war es bei mir nur ein Auto, das ich wieder verkaufen konnte.

Lesen Sie in meinem nächsten Artikel: Worauf Sie beim Ziele setzen achten sollten, um wirklich die richtigen Ziele für sich auszuwählen, und welche Ziele Sie besser durchstreichen und vergessen!

Haben Sie eine ähnliche Erfahrung gemacht? Haben Sie auch etwas Wichtiges gelernt? Ich freue mich über Ihren Kommentar!

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